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Mountainbike-Trip nach Whistler/Kanada
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Mountainbike-Trip nach Whistler/Kanada

Whistler, Vancouver und die South Chilcotins…

Winter 2019/2020. Nicht wirklich Langeweile, ich würde eher sagen Muße. Und die Überlegung, einen Blogbeitrag zu schreiben. Worüber? Im Juli 2020 geht es mit einigen sportsinteam-Freunden nach Whistler/Kanada. Seit dem Sommer bin ich mit den Recherchen und Vorbereitungen beschäftigt. Und freue mich schon wie Bolle…

 


 

Das erste Mal

Wie alles begann……

Im Juli 2017 war ich mit zwei Freunden erstmals in Kanada – genauer gesagt 12 Tage in Vancouver, Whistler und Squamish. Es waren aufregende Tage mit fantastischen Erlebnissen. Wir hatten ein paar Tage zum Mountainbiken in Whistler geplant, dafür eine Unterkunft in einem Chalet mit geführten Touren gebucht, einen Wasserflugzeug-/Mountainbike-Trip in die Wildnis, zwei Tage mit geführten Touren in SquamishSquamish? Ich glaube, der Name hörte sich damals einfach cool an – und zum Abschluss einen Städte-Kurztrip nach Vancouver. Natürlich durfte auch der Besuch des Bikeparks in Whistler nicht fehlen, nach Expertenmeinung der beste der Welt.

 

Vielleicht am beeindruckendsten in diesen Tagen war die unglaubliche Lässigkeit und Freundlichkeit der Kanadier. Du stehst an der Theke eines Cafés und die Bedienung fragt dich mit einem Lächeln und einer zugewandten Selbstverständlichkeit, wie es dir geht und wie dir der Aufenthalt in Kanada gefällt. Beim ersten Mal bist du völlig verblüfft, vergisst sämtliche Sprachkenntnisse und was du eigentlich bestellen wolltest. Nichts wirkt amerikanisch aufgesetzt und übertrieben. Alles ist, alle sind entspannt und extrem cool.

 

Dazu die ursprüngliche Natur in British Columbia , von der man zwar viel erzählen kann, die man aber erlebt haben muss. Purpurne Wälder, soweit das Auge reicht, kristall-klare Bergseen, reißende Flüsse und auch im Juli noch schneebedeckte Berge. Eine Baumgrenze weit unterhalb von der, die wir aus den Alpen gewohnt sind.

 

Und natürlich das MTB-Trailnetz in und um Whistler, das seinesgleichen sucht. Wie im Winter um das Skilaufen, dreht sich im Sommer in Whistler und Umgebung alles um das Mountainbiken und andere sportliche Aktivitäten. Allein die Möglichkeiten im Bikepark sind schon einen mehrtägigen Aufenthalt wert und nicht zufällig ist das Crankworx-Festival alljährlich im August das bedeutendste Bike Festival der Welt.

 

Es kann passieren, dass du dein Bike durch die Fußgängerzone von Whistler schiebst und dir kommt ein Snowboarder entgegen, der noch vor einigen Minuten auf dem Gletscher seine Lines in den Schnee der Blackcomb-Mountains zog. Oder dass du im Sessellift neben deinem Bike sitzt und unter dir eine Schwarzbärenfamilie gerade aus dem Wald tapst.

 

Wir sind nicht übermäßig Bikepark-affin und haben uns daher mehr auf Touren konzentriert. Unser Eindruck dabei: das „Rating“/die Einordnung der Trails besser nicht mit den Erfahrungen zu Hause oder in den Alpen vergleichen! Für den Kanadier hört das Mountainbiken auf, wo der Schotterweg anfängt – entsprechend ernüchternd kann eine Selbstüberschätzung dann am Ende sein. Während der E-Mail-Kommunikation mit dem Guidingunternehmen von 2017 fragten wir natürlich auch nach Höhenmetern und Kilometern der angebotenen Touren. Die Daten „22 km und 600 hm“ ließen in mir die überhebliche Frage aufkommen, was „die denn nach dem Mittagessen mit uns vorhaben“ könnten. Am Ende war ich froh, diese Frage nicht gestellt zu haben…

 

So unbedarft und ohne klare Vorstellungen wir uns damals im Juli 2017 nach Kanada auch aufmachten – nach diesen 12 Tagen war uns klar, dass wir tatsächlich im Mekka des Mountainbikens waren. Und dass ich da nochmal hinwill.

 


 

Whistler – Bike-Paradies mit unbegrenzten Möglichkeiten

Whistler mit seinen knapp 10.000 Einwohnern ist ein Ort im Westen von Kanada, etwa 115 km nordöstlich von Vancouver in British Columbia gelegen. Obwohl bis in die 1960er Jahre jede Form von Infrastruktur nahezu fehlte, begann man dort aufgrund der hohen Schneesicherheit ein Skigebiet zu entwickeln, aus dem im Laufe der Jahre das größte und beste Ski Resort Nordamerikas wurde. Vorläufiger Höhepunkt von Whistler waren die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver, bei den Whistler Ausrichter der alpinen Wettbewerbe war.

 

Verbunden sind Whistler und Vancouver durch den British Columbia Highway 99, auch Sea-To-Sky-Highway genannt. Von Vancouver aus gelangt man auf einer Strecke mit atemberaubenden Ausblicken auf den Pazifik, die Horseshoe Bay und den Howie Sound nach einer ca. zweistündigen Autofahrt über Squamish und Garibaldi nach Whistler.

 

Whistler bietet im Sommer unendlich viele Möglichkeiten, sich „draußen“ zu betätigen und es wäre schade, seinen Aufenthalt nur auf das Mountainbiken reduzieren. Es lohnt sich, das Bike mal ein, zwei Tage beiseite zu stellen und sich den vielfältigen Outdoor-Aktivitäten zu widmen. Ein Bade-Besuch am Lost Lake, Bärenbeobachtungen, eine Fahrt mit der PEAK2PEAK-Gondola oder ein Heliflug „Top of the World“ sind nur ein paar der unbegrenzten, spannenden „Summer Activities“.


 

Whistler ist ein Ski- und Outdoor-Paradies – und seit vielen Jahren das Mekka für Mountainbiker. Vor allem bekannt geworden durch seinen Bikepark mit unzähligen Lines aller Schwierigkeitsgrade, Referenz-Park und Vorbild vieler europäischer Parks. Das Crankworx-Festival zieht alljährlich im August Tausende Mountainbiker an. Jeder Mountainbiker möchte dort einmal in seinem Leben die Downhillstrecken rocken und die entspannte Atmosphäre an den Talstationen der Fitzsimmons, Garbonzo oder Excalibur Sessellifte im Herzen von Whistler in sich aufsaugen.

 

Aber auch die Trails und Touren in und um Whistler sind absolute Weltklasse. Ein dichtes Netz an Top-Singletrails erstreckt sich zwischen dem Green Lake und dem Olympic Village, dem olympischen Dorf von Whistler während der Olympischen Spiele 2010. Wer sich einem lokalen Anbieter von geführten Touren anschließt, macht vermutlich vor allem als „Ersttäter“ sicher keinen Fehler – solange man sich die doch recht „sportlichen“ Preise leisten kann. Alle anderen können sich auf die Trailforks-App verlassen, müssen dann allerdings etwas „Arbeit“ in die sinnvolle Verbindung der Trails investieren.

 

Mountainbike-Touren in Kanada unterscheiden sich von denen in unseren Gefilden erheblich. Singletrails bergab werden in Kanada mit Singletrails bergauf verbunden. Oder mit in beide Richtungen befahrbaren „Access-Roads“ oder Trails – wobei „fahrbar“ bedeutet, dass es zum einen ganz schön anstrengend werden kann, zum anderen aber auch, dass der Trailanteil bei einer Tour schon mal 100% betragen kann. Für uns oftmals „wichtige“ Parameter wie Höhenmeter oder Kilometer werden da ganz schnell zur uninteressanten Nebensache…

 

Die Pflege dieser Trails hat in Whistler einen enorm hohen Stellenwert, ist sie doch die Basis für den Sommer-Tourismus. Lokale Vereine wie die WORCA (Whistler Off Road Cycling Association) und die ortsansässigen Shops, Restaurants und Hotels sind dabei sehr bemüht um die Qualität, den Ausbau und den Erhalt des Trailnetzes.

 


 

Kanada 2020

Der erste Schriftverkehr ist von Mitte Dezember 2018 – also muss Olli mich wohl einige Tage vorher angesprochen habe, ob ich für eine Gruppe von sportsinteam-Kunden eine Reise nach Kanada mit einem ähnlichen Programm wie 2017 organisieren könne. Klar. Kann ich. Reisen zu organisieren ist genau mein Ding. Vor allem, wenn es um Bikereisen geht…

 

Die Reisegruppe im Juli 2020 – das sind Gabi, Petra, Tina, Lars, Ralf, Stefan und natürlich Olli, der initiale „Gruppenführer“. Eine Gruppe, die viel zusammen auf dem Bike unterwegs ist. Als „Reiseleiter“ und Guide der Touren in Whistler hat sich die Gruppe mich ausgeguckt.

 

Die „Eckdaten“ des Abenteuer-Trips in das Mekka des Mountainbikens waren nach einigen Absprachen und Meetings schnell gefunden:

  • Sommerferien 2020
  • 12 Tage
  • 6 Tage Whistler mit geführten Biketouren
  • 2 Tage Backcountry Trip mit Wasserflugzeug und Übernachtung in einem Camp in den South Chilcotins
  • Nochmal 2 Tage Whistler
  • 2 Tage Vancouver

So die Vorstellung der Gruppe und Basis meiner weiteren Planungen und Recherchen.

 


 

Wie wohnen?

2017 war alles ganz einfach. Auf Empfehlung eines Freundes hatten wir unser komplettes Paket bei einem lokalen Anbieter und Guidingunternehmen gebucht. Chalet, Doppelzimmer, Frühstück, 2x Halbpension, Guiding, Transfers – alles aus einer Hand, preislich attraktiv und auch für 2020 wieder eine Option. Leider der einzige Anbieter, der ein Komplettpaket anbot – und der stellte nach meiner zweiten E-Mail den Schriftverkehr ein. Als ich dann registrierte, dass die Webseite des Unternehmens auf dem Stand von Mitte 2018 war und offensichtlich nicht mehr gepflegt wurde, waren die Jungs dann leider für ein seriöses Reiseangebot „raus“…

 

Es gibt unzählige Möglichkeiten für einen Aufenthalt in Whistler. Mit Hotels, AirBnB, Chalets, Townhomes, Condos, sogar mit dem ehemaligen Olympischen Dorf in Whistler/Creekside habe ich mich im Zuge der Recherchen und einer Kalkulation ausgiebig beschäftigt. Ziel war dabei immer eine möglichst zentrale Lage und die beste Wohnqualität zum bestmöglichen Preis. Gar nicht so einfach aus 10.000 Kilometern Entfernung die Qualität, die Ausstattung, die Lage und das Kleingedruckte miteinander zu vergleichen. In einer zwar nicht ganz fremden, aber doch auch nicht perfekt beherrschten Sprache.

 

Wenn ihr selbst mal einen individuellen Trip nach Kanada plant, beachtet bitte, dass fast immer Nettopreise ausgeschrieben sind, die sich durch verschiedene in Kanada übliche Steuerarten erhöhen können. Hier hilft nur explizite Nachfrage, denn logisch erschloss sich mir das nicht. „PST“, „GST“, „HST“ – und diese verschiedenen Steuern dann auch noch unterschiedlich hoch in Abhängigkeit von Bundestaat und Region.

 

Wir werden im Juli 2020 sechs Nächte in einem Townhome (vergleichbar mit einem Reihenhaus) wohnen. 4 Schlafzimmer und ein Loft, 10 Betten, 2 Bäder, komplett ausgestattete Küche, Wohnzimmer, Garage für unsere Bikes, BBQ, Whirlpool, Terrasse, eine gute Bewertung und ein akzeptabler Preis. Das Haus sollte alle Wünsche der Gruppe erfüllen und uns einen angenehmen Aufenthalt in den ersten  Tagen unseres Abenteuer-Trips bescheren.

 

Nach unserem Backcountry-Trip in den South Chilcotins verbringen wir dann nochmal 2 Tage und Nächte in einem Hotel in Whistler. Diese Recherche war viel einfacher, weil die Kriterien für das Hotel überschaubarer waren und ich mich auf 5, 6 Angebote konzentrieren konnte.

 

In Vancouver werden wir zwar eineinhalb Tage, aber nur eine Nacht verbringen. Hier fand ich 2017 die Lage unseres Hotels super und es war daher auch diesmal meine erste Adresse. Es gab zwar 2, 3 Alternativen, die beim näheren Hinsehen aber dann doch keine waren. Überrascht war ich allerdings, dass sich Hotelpreise innerhalb von 3 Jahren fast verdoppeln können. Was aber wohl in den letzten Jahren eine normale Entwicklung für Großstädte ist.

 


 

Transfers – oder wie komme ich von A nach B

Oder in unserem Fall vom Vancouver International Airport nach Whistler und zurück. 8 Personen, 8 Koffer, 8 Mal Handgepäck und 8 Bikes in Bikebags müssen zweimal zwischen Vancouver und Whistler transportiert werden. Schon eine kleine logistische Herausforderung. Natürlich kann man sich nach der Landung in Vancouver den öffentlichen Verkehrsmitteln anvertrauen. Um dann vielleicht vor Ort fest zu stellen, dass der Greyhound Bus leider nur noch Platz für 5 Bikebags hat. Oder die Fahrt statt 2 Stunden halt 4 Stunden beträgt, weil der Bus an jeder Milchkanne anhält. Ist man bereits seit 18 Stunden unterwegs, möchte man vermutlich auch mal ankommen.

 

Bedenkt bei eurer Planung auch, dass ihr nach eurer Landung in Kanada einen Mietwagen erst nach einer weiteren Nacht bekommt! Der Kanadier möchte, dass du seine Mietwagen nur ausgeschlafen fährst.

 

Nach viel Lesen im Netz, E-Mail-Austausch mit anderen Kanada-Urlaubern und Webseiten-Recherche war klar, dass das Sinnvollste ein individueller Transfer sein würde. Hier gibt es einige Anbieter, die sich ihre Dienste aber alle gut bezahlen lassen. Man kann zwar alles online buchen und dabei sogar das Fahrzeug auswählen. Doch allein die Klärung der Frage, ob die Personen- und Gepäckzahl 8+8+8+8 für einen oder zwei Minibusse kanadischer Art spricht, macht den persönlichen Kontakt unvermeidlich.

 

Ich habe Olli’s Gruppe für Juli einen schicken 18-Sitzer Minibus gebucht, der uns, unsere Bikes und unser Gepäck befördert und ich freue mich schon auf die aussichtsreichen Fahrten entlang des Sea-To-Sky-Highways.

 


 

Guiding in Whistler – eigeninitiativ oder lokaler Anbieter?

Wie gut sind die eigenen Ortskenntnisse? Wieviel „try-and-error“ kann man einer Gruppe zumuten? Möchte man sich in das vielfältige, aber möglicherweise fehlerbehaftete bzw. nicht auf die eigenen Bedürfnisse passende Tourenangebot von z.B. Trailforks oder anderen GPS-Portalen einarbeiten?

 

Danach richten sich fast alle Tourenplanungen am Ende aus. Bucht man geführte Touren bei einem lokalen Anbieter, so muss man pro Tag von ca. 100,- € pro Person ausgehen. Und ist vielleicht in einer Gruppe unterwegs, die nicht „passt“ oder sehr heterogen bei Kondition und Fahrtechnik ist. Die meisten Anbieter haben eine maximale Teilnehmerzahl von 6 Bikern pro Guide. Hier gibt es nach meinen Recherchen wenig Kompromissbereitschaft vonseiten der kanadischen Anbieter.

 

Die Touren, die wir 2017 fuhren, waren alle super: spektakulär, spannend, abwechslungsreich. Und ich habe sie mitgetrackt. Ich bin sicher, dass sie für die Gruppe „passen“. Nach 1, 2 Tagen mit Touren in der Umgebung vom Lost Lake wird sich die Gruppe an das etwas andere Mountainbiken mit einer höheren Traildichte, mit North Shore – Elementen jeder Art, Höhe und Breite und den obligatorischen Trails bergauf gewöhnt haben. Danach werden wir etwas anspruchsvollere Touren fahren und dabei den Radius um Whistler ausweiten.

 


 

Back Country – oder „A Trip once in a Lifetime“

Manche Dinge macht man einmal im Leben. Oder bereut irgendwann, dass man sie nicht gemacht hat. Auch wenn es nur eine Phrase ist – seit 2017 gehört der Backcountry-Trip in die South Chilcotins für mich dazu. Ein grandioses Erlebnis!

 

Beschäftigt man sich einmal mit einem Urlaub in Kanada, wird man früher oder später mit dem Thema Bären konfrontiert. Ob Schwarzbären oder Grizzlies – irgendwann stößt man auf Erfahrungsberichte, Meinungen und gefährliches Halbwissen. Wir haben 2017 ein „Deer“ – ein großes Reh und ein „Wolverine“ – also ein Vielfraß – aus relativ großer Entfernung gesehen. Aber keinen einzigen Bären und ehrlich gesagt, bin ich deswegen nicht so enttäuscht. Nach Aussage unseres damaligen Whistler-Guides Ben sind auch eher Berglöwen – Pumas – ein Thema. Wichtigstes Utensil auf der Packliste des Anbieters unseres Backcountry-Trips scheint jedenfalls Bärenspray zu sein, ein in Aussehen, Größe und Funktion einem mittelgroßen europäischen Feuerlöscher ähnelndes Teil, das wir zum Ende des Trips unbenutzt Troy, unserem Backcountry-Trip-Guide, geschenkt haben. Eine Bärenglocke sollte man neben dem Spray auf den Touren am Rucksack tragen.

 

Wir treffen uns am Green Lake, der Seaplane Base von Whistler, mit unserem Guide Troy und mit Ben, dem Piloten unserer Beaver de Havilland. Nach dem Verladen der Bikes und unserer Rucksäcke heben wir auch schon bald ab und überfliegen die südlichen Chilcotins, deren Berge bis zu 2.300m Höhe erreichen. Was diese Berge auch im Juli nicht davon abhält, bis in tiefere Lagen schneebedeckt zu sein und so gar nicht den Bergen unserer Alpen zu ähneln.

 

Während des ca. 45-minütigen Fluges nimmt die Anzahl der Örtchen unter uns immer mehr ab und einige Zeit vor der Landung sehen wir nur noch Landschaft soweit das Auge reicht. Die Landung auf dem Lorna Lake ist dann schon aus der Luft ein Traum in türkis. Die Bikes werden ausgeladen, Pilot Ben entschwebt wieder in die Lüfte und Guide Troy macht mit seinen drei Bikern ein Briefing. „Wenn wir einem Grizzly begegnen, versucht gar nicht erst, weg zu rennen – ein Grizzly ist auf den ersten Metern schneller als ein galoppierendes Rennpferd. Legt euch flach auf den Boden – vielleicht verliert er das Interesse an euch…“ Ähem – sonst noch was? Wir sind jedoch erstmal ruhig und lauschen Troy’s andächtigen Worten sehr aufmerksam. „Seid laut auf dem Bike, unterhaltet euch lauter als sonst…“. Troy’s Antwort auf unsere Frage, ob er denn jemals einen Grizzly gesehen habe, lautet: „Nein“. Was uns irgendwie beruhigt, aber trotzdem davon abhält, unsere lautstarken Unterhaltungen zu vernachlässigen. Da das während des Bikens irgendwann anstrengend wird, kopieren wir einfach Troy‘s lautes „Hey Bear – hu, hu …“ und hoffen darauf, dass das ganze Bären- und Grizzly-„Theater“ ein geschickter Marketing-Gag der Kanadier ist.

 

Der weitere Verlauf des ersten Tages in den South Chilcotins ist schnell erzählt. 1.000 Höhenmeter auf 23 Kilometer, mit dem Lorna und dem Deer Pass zwei Pässe, die wir überwiegend schiebend bezwingen – wir fragen uns, warum tun wir uns das an? -, einige Über- und Durchquerungen von Bächen und Flüssen mit nassen Füßen, 100% Trails und eine fantastische Landschaft. Unsere Erwartungen sind nicht nur erfüllt worden – es ist noch spektakulärer als gedacht. Wir wissen plötzlich, warum wir genau dieses Abenteuer wollten! Super Natural, British Columbia!

 

Das Trigger Camp, in dem wir dann nach ca. 7 Stunden eintreffen, empfängt uns mit seiner erwartet spartanischen Art. Eine Blockhütte – „Dort schläft der Guide…“, ein großer Tisch, eine Feuerstelle und eine Hand voll fester Zelte, die für die kommende Nacht und für uns vorgesehen sind. Badezimmer und Dusche ist ein kleiner Bach, der in ca. 80m Entfernung am Camp vorbei rauscht und gleichzeitig das Bier kühlt. Geil! Ein nach vorne offenes Plumps-Klo für alle ziert den „Vorgarten“ unserer Zelte, aus Holz zusammengezimmert ein Ort, den man gern so selten wie möglich aufsuchen möchte. Weitere Gäste sind Marc und Deborah, ein junges Pärchen aus Seattle auf MTB-Hochzeitsreise. Kann man machen…

Das Camp wird von zwei Frauen bewirtschaftet, die am frühen Morgen die gesamte Verpflegung auf Pferden zum Camp transportiert haben. Die Speisekarte ist ähnlich spartanisch wie das Camp, aber in Anbetracht der Möglichkeiten (keine Straße, kein Strom) und der doch etwas anspruchsvolleren Transportwege köstlich. Vor allem der Kaffee am anderen Morgen…

Mit Grizzlies, einigen Bierchen am Lagerfeuer, dem Plumps-Klo und einem aufregenden Tag im Kopf tasten wir uns bei völliger Dunkelheit im Schein unserer Smartphone-Taschenlampen ins Zelt. Die Nacht verspricht keinen tiefen Schlaf… und sie hält ihr Versprechen.

Auch der zweite Bike Tag geht dann leider viel zu schnell vorbei. Wir radeln tendenziell bergab mit einem Trailanteil von wieder 100%. Nach ca. 35 Kilometern und diesmal nur 650 Höhenmetern stoßen wir urplötzlich auf eine „Fire Road“ – also eine normale Schotterstraße – und Troy bedeutet uns, dass wir uns setzen können, weil gleich der Shuttle käme. Wir sind verblüfft… aber der Kanadier fährt halt nicht gern normale Schotterstrecken.

Lisa, die Shuttle-Fahrerin, überrascht uns dann gleich zwei Mal: zum einen will sie auf keinen Fall unsere Hilfe beim Verladen der Bikes auf das Shuttle-Fahrzeug. Und als wir es uns im Van gerade so richtig gemütlich gemacht haben, reicht sie uns eisgekühlte Getränke, die runtergehen wie das leckerste Bier, das wir uns vorstellen können.

Nach 30 Minuten Gerumpel über Fire Roads mit einigen Schlaglöchern große Augen – wir steigen vor einer Luxusherberge irgendwo im Nirgendwo aus. Nach der Askese im Camp haben wir uns das verdient und auf der Terrasse des Resorts mit Blick auf den Tyaughton Lake gibt es dann richtiges Bier. Kanadisches und davon reichlich.

Mit dem Rückflug nach Whistler mit Start direkt am Landesteg des Resorts geht unser Abenteuer am nächsten Tag zu Ende. Immer noch völlig geflasht und zumindest in Gedanken immer noch „Hey Bear – hu, hu …“ rufend…

Auch für den Juli 2020 ist dieser 2-tägige Backcountry-Trip in die South Chilcotins geplant. Ganz sicher wird dieses Abenteuer auch für die Gruppe ein “Trip once in a Lifetime” werden. Mit einer Nacht in einem Camp und vermutlich Grizzlies, dem Plumps-Klo, einem aufregendem Tag und vielleicht auch einigen Bierchen am Lagerfeuer im Kopf…


Vancouver – City of Glass

Die beiden Tage, die wir nach unserer Zeit in Whistler und den South Chilcotins in Vancouver verbrachten, waren etwas bizarr. Was weniger an der Stadt als vielmehr an dem Kontrast zu den 10 Tagen vorher lag. Plötzlich war alles laut, viel Verkehr, hektische Betriebsamkeit – eine Großstadt mit fast 700.00 Einwohnern.

Wie die kurze Zeit am besten nutzen und so viel wie möglich sehen? Jeder von uns hatte sich vorher etwas informiert und seinen persönlichen „Plan“. Es gibt ein paar „must have seen“-Spots wie den Canada Place, Granville Island, Gastown oder den Stanley-Park, den wir auf dem Seawall mit Fahrrädern umrundeten. Was sich als sehr praktisch erwies, weil wir dadurch weitere Sehenswürdigkeiten streiften wie die Totem Poles, Siwash Rock, die English Bay, den Second und Third Beach oder die Lost Lagoon. Immer den Pazifik zur Rechten eine lohnende Tour von ca. 2 bis 3 Stunden.

Eine Ausstellung von Claude Monet war uns ebenso einen Besuch wert wie das Vancouver Observatorium oder die Robson Street, eines der Shopping-Zentren in Downtown Vancouver. Kurze Wege und schnelle Erreichbarkeiten generieren die unentwegt auf dem False Creek hin und her schippernden Aqua Busse. Der False Creek ist ein in die Stadt hinein reichender Pazifik-Arm, an dem zwischen Second Beach und World of Science einige Sehenswürdigkeiten liegen.

Weitere interessante Points of Interest sind – wenn man den einschlägigen Publikationen traut – der Vancouver Lookout, der Granville Island Public Market, Chinatown oder World of Science.

Chinatown, das Observatorium oder auch Vancouver Lookout fand ich persönlich nicht so sehenswert. Canada Place, Granville Island und die Fahrten mit dem Aqua Bus, den Stanley-Park und den Seawall mit all ihren Sehenswürdigkeiten dagegen schon.

Vancouver ist unbestritten eine tolle Stadt und kommt in meiner rückblickenden Wahrnehmung vielleicht zu kurz. Bei der Gesamtbeurteilung muss man wohl auch berücksichtigen, dass Vancouver nur ein Teil unseres Programms in Kanada war und unser Fokus klar auf Whistler und Mountainbiken lag. Ich bin auch nicht der Typ fürs Städte-Bummeln, Shoppen und Sammeln von Sehenswürdigkeiten.


Flüge nach Vancouver

Die Gruppe hat die Flüge Anfang Dezember bereits gebucht. Um die Tage in Kanada bestmöglich zu nutzen, haben wir uns für Direktflüge von Frankfurt/M. nach Vancouver entschieden. Das machte die Organisation und Buchung des Transfers vom Flughafen nach Whistler sehr viel einfacher und gewinnt Zeit vor Ort. Alle sitzen im selben Flieger und wir müssen auf niemanden warten.

Direktflüge von Deutschland nach Vancouver werden von den Gesellschaften CONDOR und der „Star-Alliance“ Lufthansa/Air Canada angeboten. Wir haben bei CONDOR gebucht, weil die Kombination Flug/Biketransport in Summe um Einiges günstiger als bei der Star-Alliance war. Der Preis für den CONDOR-Flug lag in der Economy-Class bei ca. 1.050,- €, dazu kommen ca. 160,- € für den Biketransport. Wir haben im Reisebüro gebucht, um das Risiko einer Airline-/Veranstalter-„Pleite“ zu reduzieren. Bei Buchung im Reisebüro zahlt man 25% an und den Rest einen Monat vor dem Start. Eine Flugbuchung im Internet ist oftmals etwas günstiger. Allerdings wird der gesamte Reisepreis sofort fällig und ist im Falle einer Airline-Pleite ggf. verloren.

Natürlich gibt es auch Stop-Over-Flüge mit einem oder mehr Zwischenstopps, die oftmals sehr viel günstiger sind. Zum Beispiel fliegt Air Transat von Amsterdam mit einem Zwischenstopp in Toronto nach Vancouver. Wenn man ein wenig mehr Zeit zur Verfügung hat oder so günstig wie möglich „rüber“ kommen will, dann ist diese Variante sicher eine Überlegung wert.


Ausblick auf unseren Trip im Juli 2020

Heute – Ende Januar – sind es fast 6 Monate bis zu unserem Mountainbike-Abenteuer in Kanada. Die Recherchen sind weitgehend abgeschlossen, die meisten Bestandteile der Reise stehen fest und sind bei den einzelnen Anbietern reserviert.

In den nächsten Monaten steht das übliche, vom Reiseziel unabhängige Fitness-Programm für den Mountainbike Sommer auf dem Plan. Wir bringen uns in Form mit schönen Touren, viel Vorfreude und noch mehr Höhen- und Kilometern. Im Mai/Juni wird sich die Gruppe noch einmal treffen, um letzte Details zur Reise ab zu stimmen.

In unregelmäßigen Abständen möchte ich in diesem Blog weiter von den Vorbereitungen zur Reise berichten und freue mich auf euer Feedback. Dazu könnt ihr weiter unten gern euren Kommentar zu diesem Blogbeitrag abgeben…


Für den Sommer 2021 planen wir, diesen “Trip Once in a Lifetime” als Reiseangebot zu platzieren. Falls Euch dieser Blogbeitrag gefallen hat und Lust auf den Trip geweckt haben, so schreibt mir eine E-Mail. Ich informiere Euch dann gern über die weiteren Planungen…

 

 

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          Sommer in den South Chilcotins
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         Von Whistler zum Lorna Lake

         Vom Lorna Lake zum Trigger Camp

         Vom Trigger Camp zur Gun Creek Road
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Kommentare (2)

Martina
Februar 04, 2020 Antworten

Ich habe eine Gänsehaut beim Lesen bekommen und freue mich unbändig auf dieses Abenteuer, vll sicherheitshalber eine Kuhglocke an den Rucksack….?

sportsinteam
Februar 05, 2020 Antworten

Hi Martina,

vielen Dank für dein Feedback! Es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt. Ich bin mir nicht sicher, ob du eine Kuhglocke durch den Zoll bekommst?!? 😉

Dein sportsinteam

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